20. Das Gehäuse verleimen

Heute soll das Gehäuse als Rahmen verleimt werden.

Doch zuvor möchte ich noch ein Bild zu der Frage von Gabriel zeigen, wie denn ein Bohrer von 4,9mm auf 4,85mm umgearbeitet werden kann.

Bearbeiten eines Bohrers

Bearbeiten eines Bohrers

Zunächst spannen wir einen 4,9 Bohrer in eine Ständerbohrmaschine.

Während der Bohrer sich mit hoher Geschwindigkeit dreht, wird ein Sandpapierstreifen um den Bohrer straff gespannt. Dabei nur die Enden des Sandpapierstreifen festhalten und gegen den Bohrer ziehen, dann kann nichts passieren, außer dass man zu viel schleift…

Nun, weiter am Gehäuse.

1. Gerungen anschneiden.

2.Gehäuse verleimen

3. Bodenstreben eingraten

1. Gerungen anschneiden

Betrachtet man die Flügelform des Cembalos von oben, gibt es einen Winkel, der spitzer als 90° ist.

Das Sägeblatt einer normalen Formatkreissäge kann nur 45° geschwenkt werden. (Schneidet man die Seiten jeweils 45° an, ergibt dies einen 90° Winkel, bei 40° erhält man einen stumpfen Winkel von 100°.)

Anschneiden des spitzen Winkels

Anschneiden des spitzen Winkels

Indem man das Werkstück hochkant auf der Kreissäge bearbeitet, können auch spitzere Winkel erstellt werden. Ist die Kreissäge nun weniger als 45° geschwenkt, wird der Winkel entsprechend spitzer. Werden nun z.B. wieder die 40°eingestellt, erhalte ich einen „spitzen“ Winkel von 80°.

Beim Anschneiden der Winkel ist es sinnvoll, die Umrisse des Cembalos auf die eine Platte zu zeichnen. Auf dieser Platte werden einzelnen Gehäuseteile genau angepasst und dann verleimt.

Damit beim Verleimen die Gerungen nicht verrutschen und die Holzverbindungen stabiler sind, müssen die Gerungen mit einer Feder  versehen werden(wie Nut und Feder bei einem Paneel).

2. Gehäuse verleimen

Beim Verleimen muss alles vorbereitet sein: belederte Zulagen, Zulagen mit schrägem Winkel, Zwingen in den benötigten Längen, feuchter Lappen, Hammer… Für die Zulagen sollte man sich vorher ein Konzept überlegen und auch mal eine Trockenübung machen, so kann die Verleimung ohne Überraschung gelingen. Bedenken Sie, welch enorme Belastung auf dem Gehäuse ruht, wenn alle Saiten auf Tonhöhe gestimmt sind.

Verleimen einer Ecke

Verleimen einer Ecke

Das Schöne ist, dass man fast alle Gehrungen einzeln in Ruhe verleimen kann.

Ich habe damit begonnen, das Frontbrett und den Stimmstock und den Oberdamm zwischen die lange und kurze Gehäusewand einzuleimen.

Verleimen des Stimmstocks zwischen den Gehäuseseiten

Verleimen des Stimmstocks zwischen den Gehäuseseiten

Bei all diesen Arbeiten wird unter einem gewissen Zeitdruck gearbeitet wird. Eine Herausforderung ist dabei weder die Gehäusewände noch den Stimmstock mit den großen und massiven Schraubzwingen zu berühren.

Verleimen der zweiten Ecke

Verleimen der zweiten Ecke

Die Zwingen können schon nach 1-2Stunden abgenommen werden, aber das Gehäuse darf erst nach einem Tag belastet werden.

3. Die Bodenstreben

Nun werden die Bodenstreben hergestellt und genau nach Maß in die bereits eingefräßten Nutungen eingegratet. Hier darf beim Einpassen keine Gewalt angewendet werden.

Einleimen der Bodenstreben in den dafür vorbereiteten Gratungen

Einleimen der Bodenstreben in den dafür vorbereiteten Gratungen

Eingegratete Bodenstrebe

Eingegratete Bodenstrebe

Ein wichtiger Hinweis: Bei allen Verleimungen handelt es sich um Verleimungen, die mit dem Resonanzkörper zu tun haben. Also unbedingt Tide Bond und nicht herkömmlichen Weißleim verwenden. Siehe dazu Teil 3 der Resonazboden

Im 4. Blogpost haben wir den Resonanzboden vorbereitet. Er hatte nun Zeit sich zu entspannen.

Im nächsten Blogpost wird dieser nun weiter behandelt. Was Stege, Dämme, Rippen und Rosetten mit dem Resonanzboden zu tun haben, erkläre ich im nächsten Beitrag.

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19. Der Stimmstock

Heute werden wir uns mit dem Stimmstock beschäftigen.

Der Stimmstock ist der Querbalken, der die rechte und linke Gehäusewand miteinander verbindet. Er befindet sich oben, hinter der Klaviatur. Im Stimmstock werden alle Stimmwirbel eingedreht.

  1. Holzauswahl
  2. Absperren
  3. Anordnung der Bohrungen
  4. Bohren –aber richtig
  5. Oberflächenbehandlung
  6. Einarbeiten in die Gehäusewand

Geeignete Hölzer sind Nussbaum und Ahorn. Der Stimmstock muss die gesamte Zuglast  auf das Gehäuse übertragen. Er darf sich nicht erkennbar verdrehen oder durchbiegen. Er darf sich aber auch nicht aufspalten, denn die vielen Löcher, in denen sich die Stimmwirbel befinden, stellen an der höchstbelasteten Stelle eine Art Perforierung dar.

2. Das Absperren

Aus diesem Grunde sperrt man den Stimmstock ab. Schön sieht es aus, wenn man das Resonanzbodenholz verwendet. So entsteht der Eindruck, dass der Resonanzboden durchläuft.

Man leimt eine dünne Schicht Fichte oben und unten auf den Ahornbalken und so ist der Stimmstock formstabil. Dann wird der Stimmstock auf sein endgültiges Maß geschnitten.

Stimmstock

Der Stimmstock mit der aufgeleimten Fichte

3. Anordnung der Bohrungen

Die vier Linien teilen sich zwei Register. Jedes Register hat also zwei Linien, die im Bass zusammenlaufen. Der Prinzipal nutzt die beiden vorderen. Der Nasal nutzt die beiden hinteren Linien. Die Stimmwirbel der Obertasten werden auf der jeweils hinteren Linie angeordnet, die Untertasten auf der jeweils vorderen Linie. So wiederholt sich das Klaviaturbild des Manuals in dem Stimmwirbelverlauf.

Die vier Linien im Diskant laufen zu

Die vier Linien im Diskant laufen zu 2 Linien im Bass aus.

Die besondere Anordnung der Stimmwirbel hilft dabei, beim Stimmen der Saiten die Orientierung in dem Stimmwirbelwald erheblich zu verbessern.

Erkennen Sie die Klaviaturordnung. Die markierten Wirbel entsprechen den Tönen c

Erkennen Sie die Klaviaturordnung? Die markierten Wirbel entspr. den Tönen c.

4. Bohren -aber richtig

Zunächst noch einmal den Anspruch an die Bohrung:

  1. Die Stimmwirbel müssen so fest sitzen, dass sie die Spannung zuverlässig halten.
  2. Sie müssen sich leicht drehen lassen, damit die kleinsten Bewegungen realisiert werden können. Auf keinen Fall darf der Stimmwirbel bei kleinen Bewegungen knarren. Nur so lässt sich das Cembalo stimmen.

Die Stimmwirbel haben einen Durchmesser von 5mm. Ich wurde schon auf die Schwierigkeit des Bohrens vorbereitet. So sagte mir mein Cembalobaumeister, ich müsse einen 4,85 Bohrer nehmen. Wie mit dem angenähten Tastendruckfilz war es wieder so eine Genauigkeit, die dem Orgelbau nicht so oft abverlangt wird. Aber tatsächlich! Der Versuch mit einem 4,9er und einem 4,8er Bohrer zeigten, dass die Mitte dazwischen ideal ist. Mühevoll arbeitete ich dann einen 4,9er Bohrer zu einem 4,85er um. Wichtig ist beim Bohrvorgang, dass alle Löcher mit der gleichen Drehzahl und gleichmäßigem Vorschub gebohrt werden.

5. Oberflächenbehandlung

Nach dem Bohren wird der Stimmstock gehobelt. Kleine Ausfransungen in der weichen Fichte werden dabei abgeschnitten und wir erhalten dann schöne runde Löcher. Danach wird wie im Kapitel … beschrieben, die Fichte mit den Hobelspänen poliert.

Der Stimmstock ist nun fertig! Er darf nur noch mit Handschuhen getragen werden, denn Schmutz- oder Fingerabdrücke möchte niemand an dieser Stelle sehen.

6. Einarbeiten in die Gehäusewände

Da nun auch die endgültige Stärke festgelegt ist, kann der Stimmstock nun in die rechte und linke Seitenwand straff – ca.6mm – eingelassen werden. Sinnvoll ist es, dies mit einer gut geführten Oberfräse zu realisieren.

Ausarbeitung des Stimmstocks in die Seitenwand

Ausarbeitung des Stimmstocks in die Seitenwand

Im nächsten Beitrag werden die Gehrungen angeschnitten. Bei spitzeren Winkeln als 45° ist dies nicht einfach. Aber ich werde Ihnen auch dafür eine Lösung zeigen.

Teil 18 Gehäusewände

Im letzten Beitrag ging es um den Konkav. Heute müssen wir die Gehäusewände vorbereiten, um sie dann zu verleimen. Mit der konkaven Gehäusewand sind nun alle Wände fertiggestellt. Die Gehäuseteile werden auf exakte Breite gebracht. Dabei muss neben der Maßhaltigkeit das Furnierbild beachtet werden.

Nun werden die einzelnen Gehäusewände folgendermaßen weiterbehandelt.

1. Die Zierkante

2. Die Gratnut einfräßen

3. Der Falz für den Cembaloboden

4. Die Resonanzbodenauflage

 

1. Die Zierkannte

Die Zierkante wird immer innen eingefräst. Außen geht das Gehäuse glatt bis zum Deckel.

Profilansicht von vorne, für diese Fräsungen haben wir vor dem Furnieren die Elsbeere als Rahmen um die Pappel geleimt ( siehe Blog-Post 17)

Profilansicht von vorne, für diese Fräsungen haben wir vor dem Furnieren die Elsbeere als Rahmen um die Pappel geleimt ( siehe Blog-Post 17)

Etwas zur Formenlehre: Runde Abschlüsse sind keine Abschlüsse! Ein Profil gewinnt an Konturaussagekraft, wenn die Profilabschlüsse eine kleine Kante haben. Dazu habe ich die Beispielzeichnung gemacht.

Profil ohne Abschlüsse, die Rundungen gehen in das Gehäuse über

Profil ohne Abschlüsse, die Rundungen gehen in das Gehäuse über

2. Die Gratnut

Diese klassische Holzverbindung ist nicht nur sehr stabil, sie lässt unterschiedliches Arbeiten der Hölzer in begrenztem Maß zu ohne jegliche Einbußen in der Festigkeit. Diese Holzverbindung ist etwas aufwendig (vielleicht weil sie so selten benutzt wird und wir einfach aus der Übung sind), aber die beste. Bedenken wir: Die Holzkonstruktion muss die Spannung der Saiten aufnehmen. Es gibt keinen Gussrahmen wie im Klavierbau.

Fräsen der Gratnut

Fräsen der Gratnut

3. Der Falz für den Boden

Der Boden soll eingelassen werden. Darum wird ein Falz angefräst. Zwei Drittel von der Wandung sollten dabei für den Falz sein. Ein Drittel bleibt, um dann daran die Abschlussleiste zu leimen.

Das Cembalo von unten: So sieht die fertige Holzverbindung mittels Gratnut aus. Der Falz für den Cembaloboden ist auch hier gut zu sehen.

Das Cembalo von unten: So sieht die fertige Holzverbindung mittels Gratnut aus. Der Falz für den Cembaloboden ist oben gut zu sehen.

4. Die Resonanzbodenauflage

Der Resonanzboden wird in einem späteren Kapitel auf die Resonanzbodenlager aufgeleimt. In diesem Lager werden dann die Saitenanhangstifte eingeschlagen. Dieses Holz bedarf guter Eigenschaften. Mein Cembalobaumeister empfiehlt mir, Nussbaum zu nehmen. Da die Auflager genauso stark wie die Gehäusewände sind (16mm), muss das Auflager für den Konkav formverleimt werden. Dieses lässt sich jetzt bestens in der schon angefertigten Form herstellen. Zum Anleimen eignet sich ebenfalls gut der obere Teil der Form (siehe Bild).

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Aufleimen des Resonanzbodenlagers im Konkav auf dem oberen Teil der Form

An alle Gehäusewände werden die Resonanzbodenlager geleimt. Dabei muss penibel darauf geachtet werden, dass alle in einer einheitlichen Höhe sind. Sonst entstehen beim auf Gehrung Setzen, Höhenunterschiede in der Resonanzbodenauflage.

Im nächsten Beitrag wird der Stimmstock gebohrt. Dabei gibt es ein spezielles System. Außerdem werde ich Ihnen weitere wichtige Vorbereitungen für die Gehäuseverleimung zeigen.

17. Gehäusebau

Nach unserer Exkursion in den Osten Europas: Moskau und Petersburg, soll es nun nach dieser kleinen Pause mit dem Cembalo weitergehen. Die Klaviatur hatten wir sehr ausführlich behandelt ebenso den Bau des Resonanzbodens sowie das Furnieren der einzelnen Gehäuseelemente. Nun soll mit dem Zusammenbau des Gehäuses begonnen werden.

1. Die Holzauswahl

2. Was bei einem furnierten Cembalo bedacht werden muss

3. Der Konkav

4. Die Form

1. Die Holzauswahl

Die meisten Cembali werden aus Pappel hergestellt. Pappel hat viele gute Eigenschaften. Neben der guten Resonanz bzw. Dämpfungseigenschaft ist Pappel ein sehr leichtes und homogenes Holz. Astfreie, 60 cm breite Bohlen sind normal. Pappel neigt beim Trocknen nicht zum Verwerfen.

Nachteil: Es ist nicht dekorativ und auch empfindlich gegenüber Holzschädlingen. Außerdem ist Pappel auch ein sehr weiches Holz.

Die farbliche Fassung diente nicht nur der Dekoration sondern ist auch gleichzeitig (ein begrenzter) Insektenschutz.

2. Was bei einem furnierten Cembalo beachtet werden muss.

Alle Kanten der Pappel müssen Elsbeerholz angeleimt bekommen. Nur so lassen sich später Profile und sonstige Falze einfräßen, ohne das die Pappel zum Vorschein kommt. Profile müssen am Gehäuse und auch im Furnierbild genau berücksichtigt werden. Die Massivholzkanten sind bei Hirnholz mit einem Profilfräser angesetzt worden.

Pappel mit Anleimern aus Elsbeere, hier die Gehäusefrontseite. Nach dem Furnieren wird oben ein Profil eingefräßt. Vorne kommt ein Falz in dem der Klaviaturdeckel eingehängt werden kann

Pappel mit Anleimern aus Elsbeere, hier die Gehäusefrontseite. Nach dem Furnieren wird oben ein Profil eingefräßt. Vorne kommt ein Falz in dem der Klaviaturdeckel eingehängt werden kann

3. Der Konkav

Der Konkav ist die gebogene Gehäusewand. Der Verlauf entspricht dem Segment einer Parabel.

Dieses lässt sich auf zweierlei Weise herstellen.

1. Ein Brett in der endgültigen Stärke durch Wässern und Trockenen biegen.

Dies läuft dann ungefähr so:

*Brett befeuchten

* Brett soweit biegen wie möglich

*Brett flambieren

früher: mit brennendem Reisigzweig,

heute: besser mit einem Bunsenbrenner

*diesen Prozess wiederholen, bis das Brett den gewünschten Bogen hält.

Von meiner Natur her hätte ich dieses Feuerabenteuer gerne ausprobiert. Aus zeitlichen Gründen entschied mich dann doch für die folgende Möglichkeit.

2. Bau einer Form in der dann mehrere Holzschichten zu einem Bogen verleimt werden.

4. Die Form

Der Bau einer Form ist zunächst aufwändig, dafür aber besser berechenbar.

Es muss berücksichtigt werden, dass Innen- und Außendurchmesser der Gehäusewand unterschiedlich sind. Es müssen also zwei verschiedene Verläufe geplant werden.

Denn stellen Sie sich vor, zwei Halbkreise liegen übereinander. Um einen gleichstarken Halbring (Wandungsstärke des Gehäuses) zu bekommen, reicht es nicht, die Halbkreise zu verschieben. Es müssen die Radien der Halbkreise verändert werden.

Obere und untere Form zusammen, oben eine Probeleimung

Obere und untere Form zusammen, oben eine Probeleimung

Und noch etwas muss berücksichtigt werden: Holz hat eine innere Spannung. Bei 2 Schichten wird es mehr sein, bei 5 Schichten wird es weniger sein, dass die Form sich nach dem Pressen entspannt. Dabei wird der Konkav wieder etwas flacher. Trotz meiner Erfahrung im Formenbau wusste ich nicht, wie viele Millimeter ich die Form enger als den planmäßigen Verlauf konstruieren soll, damit der Verlauf nach dem Entspannen passt. Es wird bei vier Schichten wohl etwas zwischen 8 und 20mm sein, dachte ich mir. Natürlich dürfen derartige Abweichungen nicht sein, denn es wurde ja auch schon eine Orgel unter das Cembalo geplant.

Der Ausweg ist folgender: Den Verlauf der Parabel kann man weiterlaufen lassen. Dieser wird gemäß einer Parabel ja immer enger. Die Formen wurden also einfach 15 cm länger gebaut. Nach dem Entspannen kann dann genau das Segment verwendet werden, das dem gewünschten Verlauf entspricht.

Das Furnier sollte schon auf die äußeren Holzschichten im flachen Zustand geleimt sein, bevor diese dann formverleimt werden.

Im nächsten Beitrag werden die einzelnen Gehäusesegmente auf Gehrung gesägt und das Verleimen vorbereitet.

16. Extrabeitrag Moskau

Wie versprochen erhalten Sie einen weiteren Extrabeitrag aus Moskau. An einem Wochenende besuchte ich Petersburg und dort unter anderem die Hauptkirche der Lutherischen Kirche Russlands.

Der Besuch veranlasst mich, Ihnen vor dem Rundgang durch die Sauerorgel auch etwas über diese beiden lutherischen Kirchen in Moskau und Petersburg zu berichten.

Zur St.Petrikirche in Petersburg zählten um die vorletzte Jahrhundertwende über 17000 Mitglieder. Als am Heiligen Abend 1937 die Gemeindemitglieder zum Gottesdienst kamen, standen sie vor den verschlossenen Türen. Die Pastoren der Petrikirche Paul Reichert und sein Sohn Bruno Reichert wurden verhaftet und später, 1938, erschossen. Nachdem die Kirche geschlossen worden war, wurde die sehr wertvolle Innenausstattung der Kirche, prachtvolle Gegenstände der bildenden und angewandten Kunst beschlagnahmt und gestohlen. Das Altarbild von Holbein d.J. wurde in die Ermitage verbracht, und “Christus am Kreuz” von K. Brüllow – in das Russische Museum. Unbekannt ist das Schicksal der hervorragenden, von der Firma Walcker gebauten Orgel.
In den 40-er und 50-er Jahren waren in der Kirche verschiedene Lager untergebracht. Dann baute man das Gebäude zu einem Schwimmbad um, welches 1962 eröffnet wurde. (Auszug aus der Hompage der Petrigemeinde)

St. Petri in Petersburg vor der Enteignung

St. Petri in Petersburg vor der Enteignung

Altarensemble mit dem Gemälde von  in St. Petri in Petersburg

Altarensemble mit dem Altarbild vonHolbein von in St. Petri in Petersburg

Das Schwimmbad in St. Petri

Das Schwimmbad in St. Petri

Unter dem heutigen Kirchboden befindet sich noch das Schwimmbecken, dass etwa drei Meter über dem originalen Kirchboden einbetoniert wurde. Aus statischen Gründen durfte man dieses nicht entfernen. Hier finden heute wechselnde Ausstellungen statt.

Unter dem heutigen Kirchboden befindet sich noch das Schwimmbecken, dass etwa drei Meter über dem originalen Kirchboden einbetoniert wurde. Aus statischen Gründen durfte man dieses nicht entfernen. Hier finden heute wechselnde Ausstellungen statt.

Kirche im heutigen Zustand. Der heutige Boden wurde nach der Perestoika über dem Schwimmbecken eingezogen. Das Bodenniveau ist daher ca. 8m höher als ursprünglich.

Kirche im heutigen Zustand. Der heutige Boden wurde nach der Perestoika über dem Schwimmbecken eingezogen. Das Bodenniveau ist daher ca. 8m höher als ursprünglich.

St. Petri in Petersburg Hinter dem schönen Portal befindet sich eine Wand hinter der sich das Schwimmbecken befindet. In die Kirche kommt man durch eine Emporentreppe.

St. Petri in Petersburg Hinter dem schönen Portal befindet sich eine Wand hinter der sich das Schwimmbecken befindet. In die Kirche kommt man durch eine Emporentreppe.

Kommen wir zurück zur Moskauer Gemeinde.

Sie zählte ebenfalls um die Jahrhundertwende ca. 17000 Gemeindemitglieder, von denen 80% Deutsche waren.

Der Pfarrer der Peter und Paulgemeinde, Alexander Streck wurde 1936 mit anderen Gemeindemitgliedern ermordet. Das Gotteshaus der lutherischen Gemeinde St. Peter und Paul wurde vollkommen vergewaltigt: Die Emporen wurden herausgerissen, und auf neu eingemauerten Etagen wurde eine Filmfabrik eingerichtet. Auch der Turm wurde geköpft, da er durch die geringe Distanz zum Kreml dem Kommunismus ein Dorn im Auge war. Die wertvollen Glocken gingen wie auch die Walkerorgel für immer verloren.

Eine Gänsehaut ging mir über den Rücken, als ich Gerda Hörschelmann kennen lernen durfte. Sie wurde in der damals schon gesperrten Kirche nachts heimlich und unter Lebensgefahr für alle Beteiligten, getauft. Gerda Hörschelmann durfte die Wiedereinweihung der Sauer-Orgel und das 100. Kirchjubiläum im Jahr 2005 noch miterleben.

Peter und Paulkirche vor der Demontage der Turmspitze

Peter und Paulkirche vor der Demontage der Turmspitze

Innenansicht Peter und Paul in Moskau vor der Enteignung 1936

Innenansicht Peter und Paul in Moskau vor der Enteignung 1936

Peter und Paul Kathedrale zum 100. Jubiläum noch ohne Turmspitze

Peter und Paul Kathedrale zum 100. Jubiläum im Dezember 2005 noch ohne Turmspitze

Doch nun zur Sauer-Orgel

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Als wir die Orgel das erste Mal besichtigten, war sie in einem bemitleidenswerten Zustand. Und doch war von Anfang an klar, dass diese Orgel ein Schatz ist. Ich kenne keine Sauerorgel dieser Größe, die Ihren wertvollen Prospekt noch besitzt. An dieser Orgel hat der „Zeitgeist“ nicht eine Pfeife abgeschnitten, angelängt oder umgesetzt. Auch der Winddruck wurde nicht herabgesetzt oder Füße aufgerissen oder sonstige Veränderungen durchgeführt. Die Kernkanten mit den Kernstichen sind unberührt. Was für eine Rarität in unserer Zeit.

Es ist gerade in der heutigen Zeit ein unschätzbarer Vorteil ,wenn man eine Sauer-Orgel im Geiste Sauers nachintonieren darf.

An dieser Stelle möchte ich den Intonateur der Firma Harrison & Harrison  Herrn Peter Hops zitieren, der mir sagte: „Beim Nachintonieren alter Register wird dir jedes Register sagen, was es braucht, und du tust gut daran, darauf zu hören.“

Spieltisch wie vor der Restaurierung

Spieltisch vor der Restaurierung

Spieltisch nach der Restaurierung

Spieltisch nach der Restaurierung

Noch ein Wunder: Nicht nur platztechnisch passt die Orgel fast zentimetergenau in den Emporenausschnitt, sondern auch klanglich fügt sich die für einen wesentlich kleineren Raum konzipierte Orgel hervorragend ein. Dies ist wohl der sehr guten Akustik des Kirchraumes zu verdanken.

Sauer-Orgel in Peter und Paul Moskau

Sauer-Orgel in Peter und Paul Moskau

Auf den folgenden Bildern möchte ich Ihnen einen Auszug der originalen Pfeifen in ihrer Reihenfolge auf der Windlade darstellen. Es wird jeweils Ton c“‘ abgebildet.

Pfeifen des dritten Manuals

Pfeifen des dritten Manuals

 Flöte 4′

Gedakt 8‘

Vox Celestis 8‘

Aeoline 8′

Salizional 8‘

Spitzflöte 8‘

Quintatön 16‘

.

.

Pleifen des ersten Manuals

Pleifen des ersten Manuals

Trompete 8‘ (ab fs‘‘ als Doppelchor mit einem Streicher und einer Flöte)

Cornett 5fach (nicht abgebildet)

Rohrflöte 4′

Gedackt 8′

Viola d‘ amour 8′

Gambe 8′

Flöte 8′

Bourdon 16‘,

Prinzipal 8‘ (Prospekt)

Oktave 4‘ (Prospekt)

Das zweite Manual hat eine ähnliche Registerzusammenstellung wie das erste. Manual. Die Register sind aber durch ihre engere Mensur in ihrer Intonation etwas zurückhaltener als das jeweilige Pendant im ersten. Manual

Das Pedal ist klassisch disponiert, wobei das Cello mit seinem fast aggressiven Strich viel Oberton beigibt. Die Flöte 4‘ ist weit und kräftig. Die Disposition der Orgel finden Sie am Ende des Beitrages.

Betrachtet man die Fußzahlen der Register, darf man behaupten, dass dieses hochromantische Instrument einseitig ist. Auch eine bloße Auswertung der Registernamen lässt noch nicht auf die Klangvielfalt dieses Instrumentes schließen. Allein das unmittelbare Erleben des Klanges dieser originalen Wilhelm-Sauer-Orgel erlaubt es, über die Dispositionsgestaltung Sauers zu urteilen.

Sie sind herzlich eingeladen, die Orgel zu besuchen, zu sehen, zu hören, zu spielen und, wenn Sie mögen, auch zu konzertieren. Die Kirche mit seiner sowohl schlichten als auch eleganten Architektur und guten Akustik wird von seinem Auditorium geschätzt. Neben den Gottesdiensten finden ein bis zwei Konzerte in der Woche statt.

Der Kantor und Orgelpfleger Oleg Romanenko empfängt gerne internationale Gäste.

Hat Ihnen der kleine Ausflug nach Osteuropa gefallen?

Im nächsten Blog-Post geht es weiter mit dem Cembalo. Nachdem wir uns intensiv mit der Klaviatur beschäftigt haben, wird es nun um das Gehäuse des Cembalos gehen.

 

Disposition

I. Manual

II. Manual  (Oberwerk)

1

Viola d‘ amour

8′

11

Dolce

8′

2

Gedackt

8′

12

Quintatön

8′

3

Floete

8′

13

Concertfloete

8′

4

Gamba

8′

14

Geigenprincipal

8′

5

Principal

8′

15

Lieblich Gedackt

16′

6

Bordun

16′

16

Traversfloete

4′

7

Rohrfloete

4′

17

Gemshorn

4′

8

Octave

4′

18

Mixtur

4 fach

9

Cornett

3-5fach

19

Clarinett

8′

10

Trompete

8′

III. Manual

Pedal

20

Voix celeste

8′

27

Posaune

16′

21

Aeoline

8′

28

Floete

4′

22

Salicional

8′

29

Octave

8′

23

Lieblich Gedackt

8′

30

Violoncello

8′

24

Spitzfloete

8′

31

Violon

16′

25

Quintatön

16′

32

Subbaß

16′

26

Flauto dolce

4′

33

Gedacktbaß

16′

Spielhilfen

zwei freie Kombinationen

III. Manual/Pedal

III. Manual/II. Manual

II. Manual/Pedal

III. Manual/I. Manual

I. Manual/Pedal

II. Manual/I. Manual

 

15. Extrabeitrag Moskau

Wie versprochen nehme ich Sie mit auf meine Reise in die Weltstadt Moskau.

In den letzen Jahren haben wir im Herzen der Stadt zwei große Orgeln aufwändig restauriert, und zwar 2005/06 die Sauerorgel der Peter und Paul Gemeinde und 2007-2012 die Ernst Röver Orgel in der Baptistengemeinde. So hatte ich schon oft das Vergnügen, die Stadt zu besuchen und ich freue mich persönlich jedes Mal darauf.

Sauerorgel in der Peter und Paul Kathedrale, Aufnahme abends als die Sonne die Westrosette durchflutet

Sauerorgel in der Peter und Paul Kathedrale, Aufnahme abends als die Sonne die Westrosette durchflutet

Doch der Grund dieser Reise schmerzt mich als Orgelbauer.

Die Orgel ist völlig eingestaubt. Nur zwei Jahre nach der Restaurierung der Sauerorgel und der feierlichen Wiedereinweihung der Kirche fanden erneut umfangreiche Baumaßnahmen statt. Die Orgel wurde dem Baustaub ungeschützt ausgesetzt. Eine zwei Millimeter dicke Staubschicht liegt auf den Kernen der Pfeifen, dem Gehäuse, der Balganlage, den empfindlichen Ledermembranen und Tonbälgen. Selbst geschützte Bereiche, wie das Schwellwerk oder der komplett verschlossene Spieltisch sind gleichermaßen verschmutzt.

Auf dem Gehäusegesims.

Auf dem Gehäusegesims.

Sogar vertikal sind sämtliche Pfeifen und Teile der Orgel verschmutzt

Sogar vertikal sind sämtliche Pfeifen und Teile der Orgel verschmutzt

Diese Bleirohre liegen gut geschützt unter einem geschlossenen Podest. Was war da für ein Staub in der Kirche???

Diese Bleirohre liegen geschützt unter einem geschlossenen Podest. Was war da für ein Staub in der Kirche???

Unter den Pfeifen, unter den Rastbrettern -überall ist der agressive Baustaub

Unter den Pfeifen, unter den Rastbrettern -überall ist der agressive Baustaub

Nachdem wir E I N E gekröpfte Pfeife aus der Orgel gehoben haben, staubte es so, dass ...

Nachdem wir E I N E gekröpfte Pfeife aus der Orgel gehoben haben, staubte es so, dass …

Tellermembranen die sich in Kombination von Staub und den hohen Klimaschwankungen stark verzogen haben

Tellermembranen, die sich in Kombination von Staub und den hohen Klimaschwankungen stark verzogen haben.

Ich möchte das Drama an dieser Stelle nicht weiter beschreiben, und ihr orgelliebendes Herz nicht weiter quälen, sondern ein wenig von der  bewegten Geschichte der Orgel erzählen.

Kaum eine Sauer-Orgel ist wohl so viel herumgekommen, wie die in der Peter und Paul Kathedrale zu Moskau. Trotzdem ist dieses Instrument in einem so originalen Zustand, wie man es wohl heute bei nur wenigen Sauer-Orgeln dieser Größe noch findet.

Die aufregende  Reise der Sauer-Orgel beginnt in der Michaeliskirche.

Michaeliskirche in Moskau

Michaeliskirche in Moskau, Quelle: Uni Oldenburg

Wilhelm Sauer lieferte diese Orgel mit 33 Registern 1898 in die evangelische Michaelis Kirche nach Moskau. Sie war eine der ca. acht öffentlichen Orgeln der größten Stadt Europas. Nach der Machtübernahme Stalins hatten evangelische Christen besonders zu leiden, und die Kirchenbauten wurden entheiligt, zweckentfremdet oder gar abgerissen. So wurde auch die Michaeliskirche 1928 geschlossen und zwei Jahre später dem Erdboden gleichgemacht.

Durch ein „Wunder“ überlebte die Orgel der Michaeliskirche. Wie? Dank einer neuen Aufgabe. Die Orgel wurde in das staatliche Krematorium umgesetzt. Dort tat sie von 1928 – 1996 ihren Dienst.

Nach der Perestroika erhielten die Gemeinden ihre Kirchen zurück. Nicht nur das, sondern auch entwendetes Inventar bekamen die Gemeinden wieder. Da es die Michaeliskirche nicht mehr gab, wurde – ganz kurz gesagt – die St. Peter und Paul Gemeinde zum Erben ernannt.

Unbenannt

100 Jahre Peter und Paul, festliche Wiedereinweihung der Kirche im Dezember 2005

Dank eines orgelliebenden Pfarrers und  eines „Wunders“ konnte dieses Erbrecht ebenso auf die Orgel geltend gemacht werden.

Herr Pfarrer Lotow demontierte die 33 registrige Orgel einschließlich der großen Balganlage mit einem Helfer. Die gesamte Demontage, der Transport auf dem LKW und die Einlagerung der Orgel in der St. Peter und Paul Kirche erfolgte in nur drei Wochen. Danach lagerte das Instrument  neun Jahre und musste einen weiteren hausinternen Umzug als völlig zerlegte Orgel überstehen.

Sie werden sicher zustimmen, wenn ich nun sage, dass ein weiteres Wunder ist, wenn diese Orgel heute wieder gespielt werden kann und kein Teil fehlt!

Doch, dass diese Orgel einer Generalreparatur bedurfte, ist kein Wunder!

Im nächsten Beitrag möchte ich Ihnen diese hochromantische Orgel etwas näher vorstellen. Bei 33 Registern geht kein Register über die 4‘ Tonlage hinaus. Wie kann das sein, fehlt da nicht etwas???

Mit Bildern werde ich Sie mit auf eine kleine Rundreise durch die Orgel nehmen und Ihnen neben den romantischen Registern auch etwas von der Technik zeigen.

14. Abschließende Arbeiten

Im Gespräch mit meinem Cembalobaumeister, habe ich bemerkt, dass der Cembalobau noch filigraner arbeitet, als es der Orgelbau mit seinen komplizierten Mechaniken erfordert, und dass Cembalisten noch feinfühliger als die Organisten sind. Ich lasse mich aber auch gerne eines Besseren belehren.

Jedenfalls soll neben den Tasten, die auf das Gramm genau ausbalanciert werden, der Tastendruckfilz mit Nadel und Faden angenäht werden, da ein angeleimter Tastendruckfilz die Tasten zu hart anstoßen lässt …

Ich habe im letzten Blog-Post schon angekündigt, dass es einige Feinheiten im Cembalobau gibt, die der Orgelbauer so nicht kennt.

Beginnen wir:

  1. Die hintere Tastenabstoppung
  2. Der angenähte Tastendruckfilz
  3. Das Ausbleien
  4. Die Schnittstelle
  5. Abschließende Arbeiten

 

1. Die Tastenabstoppung

Klassisch liegt die Taste im ruhenden Zustand hinten auf einem Druckstoff und wird beim Spiel vorn durch einen Druckstoff unter den Tasten gestoppt. Auch wenn es ein Mehraufwand ist, habe ich auf meinen Meister gehört und auf den vorderen Tastendruckfilz gänzlich verzichtet und die Tastenabstoppung ebenfalls nach hinten gelegt. Dadurch wird der Tastengang noch präziser. Die Geräusche werden deutlich gedämpft wenn die Tasten mit teilweise sehr hohen Geschwindigkeiten in den Druckstoff schlagen. Die Konstruktion für diese Abstoppung sollte stabil und massiv sein, nicht nur wegen der Haltbarkeit, sondern auch um störende Geräusche zu vermeiden.

Ausgebleite Tasten,Tastenabstoppung mit angenähten Tastendruckfilz

Ausgebleite Tasten, Tastenabstoppung mit angenähten Tastendruckfilz, Filz auf den Tastenenden über die, die Springer gehoben werden

2. Der angenähte Tastendruckfilz

Ein bisschen schmunzeln musste ich ja doch innerlich, als mir das mit dem Annähen des Filzes gesagt wurde. Der Leim, mit dem der Tastendruckfilz angeleimt wird, soll den Filz nicht verhärten. Aber ein vielleicht noch entscheidenderes Argument ist, dass der Druckfilz leicht herunterhängt und durch seine Trägheit die Tasten schon vorbremst, bevor er den Druck zwischen Taste und Abstoppleiste in sich aufnimmt.

3. Das Ausbleien

Jede Taste hat ihre eigene Form, ihr spezielles Gewicht und damit ihren besonderen Schwerpunkt.

Auch wenn es sich nur um wenige Gramm handelt, lässt sich jede Taste unterschiedlich schwer betätigen. Bei einer Orgel können wir dies mit den Federn an den Ventilen ausgleichen. Bei dem Cembalo müssen wir dies mit Hilfe von kleinen Bleigewichten tun.

Jede Taste soll ganz von alleine mit 0,03 Newton (3Gramm) in ihre Ruhelage fallen.

Ohne Bleigewichte schweben einige Tasten, andere fallen mit 1-3 Gramm und einige kippen gar in die falsche Richtung. Tatsächlich fühlt sich die Klaviatur ganz anders an, wenn diese 3 Gramm gleichmäßig eingerichtet sind.

Und so geht man vor:

  1. Ein kleines Gewicht mit 3 Gramm wird auf die Tastenspitze gelegt.
  2. Dann wird ein kleiner Bleistöpsel genau an die Stelle auf der Gegenseite der Taste positioniert, dass die Taste schwebt.
  3. Nun eine kleine Markierung setzen
  4. Die ausgebaute Taste wird nun von der Seite an der markierten Stelle angebohrt, aber nicht durch!!!
  5. Nun den Bleistöpsel einlegen und mit einem Dorn oder wie ich sternweise in dem Loch verpressen

Einige Tasten erfordern auch 2 Gewichte.

Detail des Waagebalkens mit Kerntuchscheibe, vorderste Tasten - Ton f³ ist hinten dünner gefräst

Detail des Waagebalkens mit Kerntuchscheibe, vorderste Tasten – Ton f³ ist hinten dünner gefräst

4. Die Schnittstelle

Eine Spezialität an diesem Cembalo ist, dass es auf einer Orgel stehen wird und von dem Orgelmanual aus angespielt werden kann. Dazu muss eine Schnittstelle eingeplant werden.

Unterseite der klaviatur mit regulierbaren, befilzten Holzmuttern die das Spiel mit der Koppel ermöglichen

Unterseite der klaviatur mit regulierbaren, befilzten Holzmuttern die das Spiel mit der Koppel ermöglichen

Aus dem Orgelteil werden kleine Holzstecher der Koppel durch den Boden des Cembalos dringen. Damit die Stecher dann direkt unter die Tasten greifen können, stehen diese 1,5mm aus dem Cembaloboden heraus. Der Klaviaturrahmen hinten ist unten so ausgefräst, dass sowohl das Transponieren als auch das Herausnehmen der Cembaloklaviatur gewährleistet ist auch wenn das Cembalo auf der Orgel liegt und die Stecher direkt unter die Tasten gehen. Die Tasten dürfen aber nicht ihre Ruhelage auf den Stechern haben. Darum werden diese Koppelstecher später etwa um 0,5 mm von dem Tastenangriff einreguliert. Die Koppel hat dann ca. 0,5 mm Leerreise.

5. Abschließende Arbeiten

In der Mitte der 4 Rillen befindet sich eine Kerbe. Diese wird mit einer ganz dünnen Feile mit 45° eingearbeitet.

Eingearbeitete Kerben zwischen den Zierrillen

Eingearbeitete Kerben zwischen den Zierrillen

Die Tasten sollen nicht lackiert werden. Sie eignen sich hervorragend zum Polieren. Man kann die Tastenbeläge auch vor dem Polieren ölen, dann werden sie vor Verschmutzung geschützt. Außerdem werden die Farben der Hölzer viel satter. Die Klaviaturwangen mit den kleinen Griffen zum Transponieren werden später mit dem Gehäuse angepasst.

Klavierturwange mit Knauf zum Transponieren

Klavierturwange mit Knauf zum Transponieren

In den nächsten 5 Wochen bin ich in Moskau. Dort muss die große Sauer Orgel von 1898 in der Kathedrale St. Peter und Paul, nach aufwändigen Bauarbeiten leider schon wieder gereinigt werden. Im nächsten Beitrag werde ich etwas davon berichten.