16. Extrabeitrag Moskau

Wie versprochen erhalten Sie einen weiteren Extrabeitrag aus Moskau. An einem Wochenende besuchte ich Petersburg und dort unter anderem die Hauptkirche der Lutherischen Kirche Russlands.

Der Besuch veranlasst mich, Ihnen vor dem Rundgang durch die Sauerorgel auch etwas über diese beiden lutherischen Kirchen in Moskau und Petersburg zu berichten.

Zur St.Petrikirche in Petersburg zählten um die vorletzte Jahrhundertwende über 17000 Mitglieder. Als am Heiligen Abend 1937 die Gemeindemitglieder zum Gottesdienst kamen, standen sie vor den verschlossenen Türen. Die Pastoren der Petrikirche Paul Reichert und sein Sohn Bruno Reichert wurden verhaftet und später, 1938, erschossen. Nachdem die Kirche geschlossen worden war, wurde die sehr wertvolle Innenausstattung der Kirche, prachtvolle Gegenstände der bildenden und angewandten Kunst beschlagnahmt und gestohlen. Das Altarbild von Holbein d.J. wurde in die Ermitage verbracht, und “Christus am Kreuz” von K. Brüllow – in das Russische Museum. Unbekannt ist das Schicksal der hervorragenden, von der Firma Walcker gebauten Orgel.
In den 40-er und 50-er Jahren waren in der Kirche verschiedene Lager untergebracht. Dann baute man das Gebäude zu einem Schwimmbad um, welches 1962 eröffnet wurde. (Auszug aus der Hompage der Petrigemeinde)

St. Petri in Petersburg vor der Enteignung

St. Petri in Petersburg vor der Enteignung

Altarensemble mit dem Gemälde von  in St. Petri in Petersburg

Altarensemble mit dem Altarbild vonHolbein von in St. Petri in Petersburg

Das Schwimmbad in St. Petri

Das Schwimmbad in St. Petri

Unter dem heutigen Kirchboden befindet sich noch das Schwimmbecken, dass etwa drei Meter über dem originalen Kirchboden einbetoniert wurde. Aus statischen Gründen durfte man dieses nicht entfernen. Hier finden heute wechselnde Ausstellungen statt.

Unter dem heutigen Kirchboden befindet sich noch das Schwimmbecken, dass etwa drei Meter über dem originalen Kirchboden einbetoniert wurde. Aus statischen Gründen durfte man dieses nicht entfernen. Hier finden heute wechselnde Ausstellungen statt.

Kirche im heutigen Zustand. Der heutige Boden wurde nach der Perestoika über dem Schwimmbecken eingezogen. Das Bodenniveau ist daher ca. 8m höher als ursprünglich.

Kirche im heutigen Zustand. Der heutige Boden wurde nach der Perestoika über dem Schwimmbecken eingezogen. Das Bodenniveau ist daher ca. 8m höher als ursprünglich.

St. Petri in Petersburg Hinter dem schönen Portal befindet sich eine Wand hinter der sich das Schwimmbecken befindet. In die Kirche kommt man durch eine Emporentreppe.

St. Petri in Petersburg Hinter dem schönen Portal befindet sich eine Wand hinter der sich das Schwimmbecken befindet. In die Kirche kommt man durch eine Emporentreppe.

Kommen wir zurück zur Moskauer Gemeinde.

Sie zählte ebenfalls um die Jahrhundertwende ca. 17000 Gemeindemitglieder, von denen 80% Deutsche waren.

Der Pfarrer der Peter und Paulgemeinde, Alexander Streck wurde 1936 mit anderen Gemeindemitgliedern ermordet. Das Gotteshaus der lutherischen Gemeinde St. Peter und Paul wurde vollkommen vergewaltigt: Die Emporen wurden herausgerissen, und auf neu eingemauerten Etagen wurde eine Filmfabrik eingerichtet. Auch der Turm wurde geköpft, da er durch die geringe Distanz zum Kreml dem Kommunismus ein Dorn im Auge war. Die wertvollen Glocken gingen wie auch die Walkerorgel für immer verloren.

Eine Gänsehaut ging mir über den Rücken, als ich Gerda Hörschelmann kennen lernen durfte. Sie wurde in der damals schon gesperrten Kirche nachts heimlich und unter Lebensgefahr für alle Beteiligten, getauft. Gerda Hörschelmann durfte die Wiedereinweihung der Sauer-Orgel und das 100. Kirchjubiläum im Jahr 2005 noch miterleben.

Peter und Paulkirche vor der Demontage der Turmspitze

Peter und Paulkirche vor der Demontage der Turmspitze

Innenansicht Peter und Paul in Moskau vor der Enteignung 1936

Innenansicht Peter und Paul in Moskau vor der Enteignung 1936

Peter und Paul Kathedrale zum 100. Jubiläum noch ohne Turmspitze

Peter und Paul Kathedrale zum 100. Jubiläum im Dezember 2005 noch ohne Turmspitze

Doch nun zur Sauer-Orgel

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Als wir die Orgel das erste Mal besichtigten, war sie in einem bemitleidenswerten Zustand. Und doch war von Anfang an klar, dass diese Orgel ein Schatz ist. Ich kenne keine Sauerorgel dieser Größe, die Ihren wertvollen Prospekt noch besitzt. An dieser Orgel hat der „Zeitgeist“ nicht eine Pfeife abgeschnitten, angelängt oder umgesetzt. Auch der Winddruck wurde nicht herabgesetzt oder Füße aufgerissen oder sonstige Veränderungen durchgeführt. Die Kernkanten mit den Kernstichen sind unberührt. Was für eine Rarität in unserer Zeit.

Es ist gerade in der heutigen Zeit ein unschätzbarer Vorteil ,wenn man eine Sauer-Orgel im Geiste Sauers nachintonieren darf.

An dieser Stelle möchte ich den Intonateur der Firma Harrison & Harrison  Herrn Peter Hops zitieren, der mir sagte: „Beim Nachintonieren alter Register wird dir jedes Register sagen, was es braucht, und du tust gut daran, darauf zu hören.“

Spieltisch wie vor der Restaurierung

Spieltisch vor der Restaurierung

Spieltisch nach der Restaurierung

Spieltisch nach der Restaurierung

Noch ein Wunder: Nicht nur platztechnisch passt die Orgel fast zentimetergenau in den Emporenausschnitt, sondern auch klanglich fügt sich die für einen wesentlich kleineren Raum konzipierte Orgel hervorragend ein. Dies ist wohl der sehr guten Akustik des Kirchraumes zu verdanken.

Sauer-Orgel in Peter und Paul Moskau

Sauer-Orgel in Peter und Paul Moskau

Auf den folgenden Bildern möchte ich Ihnen einen Auszug der originalen Pfeifen in ihrer Reihenfolge auf der Windlade darstellen. Es wird jeweils Ton c“‘ abgebildet.

Pfeifen des dritten Manuals

Pfeifen des dritten Manuals

 Flöte 4′

Gedakt 8‘

Vox Celestis 8‘

Aeoline 8′

Salizional 8‘

Spitzflöte 8‘

Quintatön 16‘

.

.

Pleifen des ersten Manuals

Pleifen des ersten Manuals

Trompete 8‘ (ab fs‘‘ als Doppelchor mit einem Streicher und einer Flöte)

Cornett 5fach (nicht abgebildet)

Rohrflöte 4′

Gedackt 8′

Viola d‘ amour 8′

Gambe 8′

Flöte 8′

Bourdon 16‘,

Prinzipal 8‘ (Prospekt)

Oktave 4‘ (Prospekt)

Das zweite Manual hat eine ähnliche Registerzusammenstellung wie das erste. Manual. Die Register sind aber durch ihre engere Mensur in ihrer Intonation etwas zurückhaltener als das jeweilige Pendant im ersten. Manual

Das Pedal ist klassisch disponiert, wobei das Cello mit seinem fast aggressiven Strich viel Oberton beigibt. Die Flöte 4‘ ist weit und kräftig. Die Disposition der Orgel finden Sie am Ende des Beitrages.

Betrachtet man die Fußzahlen der Register, darf man behaupten, dass dieses hochromantische Instrument einseitig ist. Auch eine bloße Auswertung der Registernamen lässt noch nicht auf die Klangvielfalt dieses Instrumentes schließen. Allein das unmittelbare Erleben des Klanges dieser originalen Wilhelm-Sauer-Orgel erlaubt es, über die Dispositionsgestaltung Sauers zu urteilen.

Sie sind herzlich eingeladen, die Orgel zu besuchen, zu sehen, zu hören, zu spielen und, wenn Sie mögen, auch zu konzertieren. Die Kirche mit seiner sowohl schlichten als auch eleganten Architektur und guten Akustik wird von seinem Auditorium geschätzt. Neben den Gottesdiensten finden ein bis zwei Konzerte in der Woche statt.

Der Kantor und Orgelpfleger Oleg Romanenko empfängt gerne internationale Gäste.

Hat Ihnen der kleine Ausflug nach Osteuropa gefallen?

Im nächsten Blog-Post geht es weiter mit dem Cembalo. Nachdem wir uns intensiv mit der Klaviatur beschäftigt haben, wird es nun um das Gehäuse des Cembalos gehen.

 

Disposition

I. Manual

II. Manual  (Oberwerk)

1

Viola d‘ amour

8′

11

Dolce

8′

2

Gedackt

8′

12

Quintatön

8′

3

Floete

8′

13

Concertfloete

8′

4

Gamba

8′

14

Geigenprincipal

8′

5

Principal

8′

15

Lieblich Gedackt

16′

6

Bordun

16′

16

Traversfloete

4′

7

Rohrfloete

4′

17

Gemshorn

4′

8

Octave

4′

18

Mixtur

4 fach

9

Cornett

3-5fach

19

Clarinett

8′

10

Trompete

8′

III. Manual

Pedal

20

Voix celeste

8′

27

Posaune

16′

21

Aeoline

8′

28

Floete

4′

22

Salicional

8′

29

Octave

8′

23

Lieblich Gedackt

8′

30

Violoncello

8′

24

Spitzfloete

8′

31

Violon

16′

25

Quintatön

16′

32

Subbaß

16′

26

Flauto dolce

4′

33

Gedacktbaß

16′

Spielhilfen

zwei freie Kombinationen

III. Manual/Pedal

III. Manual/II. Manual

II. Manual/Pedal

III. Manual/I. Manual

I. Manual/Pedal

II. Manual/I. Manual

 

14. Abschließende Arbeiten

Im Gespräch mit meinem Cembalobaumeister, habe ich bemerkt, dass der Cembalobau noch filigraner arbeitet, als es der Orgelbau mit seinen komplizierten Mechaniken erfordert, und dass Cembalisten noch feinfühliger als die Organisten sind. Ich lasse mich aber auch gerne eines Besseren belehren.

Jedenfalls soll neben den Tasten, die auf das Gramm genau ausbalanciert werden, der Tastendruckfilz mit Nadel und Faden angenäht werden, da ein angeleimter Tastendruckfilz die Tasten zu hart anstoßen lässt …

Ich habe im letzten Blog-Post schon angekündigt, dass es einige Feinheiten im Cembalobau gibt, die der Orgelbauer so nicht kennt.

Beginnen wir:

  1. Die hintere Tastenabstoppung
  2. Der angenähte Tastendruckfilz
  3. Das Ausbleien
  4. Die Schnittstelle
  5. Abschließende Arbeiten

 

1. Die Tastenabstoppung

Klassisch liegt die Taste im ruhenden Zustand hinten auf einem Druckstoff und wird beim Spiel vorn durch einen Druckstoff unter den Tasten gestoppt. Auch wenn es ein Mehraufwand ist, habe ich auf meinen Meister gehört und auf den vorderen Tastendruckfilz gänzlich verzichtet und die Tastenabstoppung ebenfalls nach hinten gelegt. Dadurch wird der Tastengang noch präziser. Die Geräusche werden deutlich gedämpft wenn die Tasten mit teilweise sehr hohen Geschwindigkeiten in den Druckstoff schlagen. Die Konstruktion für diese Abstoppung sollte stabil und massiv sein, nicht nur wegen der Haltbarkeit, sondern auch um störende Geräusche zu vermeiden.

Ausgebleite Tasten,Tastenabstoppung mit angenähten Tastendruckfilz

Ausgebleite Tasten, Tastenabstoppung mit angenähten Tastendruckfilz, Filz auf den Tastenenden über die, die Springer gehoben werden

2. Der angenähte Tastendruckfilz

Ein bisschen schmunzeln musste ich ja doch innerlich, als mir das mit dem Annähen des Filzes gesagt wurde. Der Leim, mit dem der Tastendruckfilz angeleimt wird, soll den Filz nicht verhärten. Aber ein vielleicht noch entscheidenderes Argument ist, dass der Druckfilz leicht herunterhängt und durch seine Trägheit die Tasten schon vorbremst, bevor er den Druck zwischen Taste und Abstoppleiste in sich aufnimmt.

3. Das Ausbleien

Jede Taste hat ihre eigene Form, ihr spezielles Gewicht und damit ihren besonderen Schwerpunkt.

Auch wenn es sich nur um wenige Gramm handelt, lässt sich jede Taste unterschiedlich schwer betätigen. Bei einer Orgel können wir dies mit den Federn an den Ventilen ausgleichen. Bei dem Cembalo müssen wir dies mit Hilfe von kleinen Bleigewichten tun.

Jede Taste soll ganz von alleine mit 0,03 Newton (3Gramm) in ihre Ruhelage fallen.

Ohne Bleigewichte schweben einige Tasten, andere fallen mit 1-3 Gramm und einige kippen gar in die falsche Richtung. Tatsächlich fühlt sich die Klaviatur ganz anders an, wenn diese 3 Gramm gleichmäßig eingerichtet sind.

Und so geht man vor:

  1. Ein kleines Gewicht mit 3 Gramm wird auf die Tastenspitze gelegt.
  2. Dann wird ein kleiner Bleistöpsel genau an die Stelle auf der Gegenseite der Taste positioniert, dass die Taste schwebt.
  3. Nun eine kleine Markierung setzen
  4. Die ausgebaute Taste wird nun von der Seite an der markierten Stelle angebohrt, aber nicht durch!!!
  5. Nun den Bleistöpsel einlegen und mit einem Dorn oder wie ich sternweise in dem Loch verpressen

Einige Tasten erfordern auch 2 Gewichte.

Detail des Waagebalkens mit Kerntuchscheibe, vorderste Tasten - Ton f³ ist hinten dünner gefräst

Detail des Waagebalkens mit Kerntuchscheibe, vorderste Tasten – Ton f³ ist hinten dünner gefräst

4. Die Schnittstelle

Eine Spezialität an diesem Cembalo ist, dass es auf einer Orgel stehen wird und von dem Orgelmanual aus angespielt werden kann. Dazu muss eine Schnittstelle eingeplant werden.

Unterseite der klaviatur mit regulierbaren, befilzten Holzmuttern die das Spiel mit der Koppel ermöglichen

Unterseite der klaviatur mit regulierbaren, befilzten Holzmuttern die das Spiel mit der Koppel ermöglichen

Aus dem Orgelteil werden kleine Holzstecher der Koppel durch den Boden des Cembalos dringen. Damit die Stecher dann direkt unter die Tasten greifen können, stehen diese 1,5mm aus dem Cembaloboden heraus. Der Klaviaturrahmen hinten ist unten so ausgefräst, dass sowohl das Transponieren als auch das Herausnehmen der Cembaloklaviatur gewährleistet ist auch wenn das Cembalo auf der Orgel liegt und die Stecher direkt unter die Tasten gehen. Die Tasten dürfen aber nicht ihre Ruhelage auf den Stechern haben. Darum werden diese Koppelstecher später etwa um 0,5 mm von dem Tastenangriff einreguliert. Die Koppel hat dann ca. 0,5 mm Leerreise.

5. Abschließende Arbeiten

In der Mitte der 4 Rillen befindet sich eine Kerbe. Diese wird mit einer ganz dünnen Feile mit 45° eingearbeitet.

Eingearbeitete Kerben zwischen den Zierrillen

Eingearbeitete Kerben zwischen den Zierrillen

Die Tasten sollen nicht lackiert werden. Sie eignen sich hervorragend zum Polieren. Man kann die Tastenbeläge auch vor dem Polieren ölen, dann werden sie vor Verschmutzung geschützt. Außerdem werden die Farben der Hölzer viel satter. Die Klaviaturwangen mit den kleinen Griffen zum Transponieren werden später mit dem Gehäuse angepasst.

Klavierturwange mit Knauf zum Transponieren

Klavierturwange mit Knauf zum Transponieren

In den nächsten 5 Wochen bin ich in Moskau. Dort muss die große Sauer Orgel von 1898 in der Kathedrale St. Peter und Paul, nach aufwändigen Bauarbeiten leider schon wieder gereinigt werden. Im nächsten Beitrag werde ich etwas davon berichten.

9. Der Klaviaturrahmen

Letzte Woche war ich in Timisoara, der zweitgrößten Stadt Rumäniens, deutsch Temeschwar. Diese Stadt war bis zum 2. Weltkrieg vorwiegend von Donauschwaben bevölkert. Dort haben wir unter anderem zwei Orgeln besichtigt.

Da Sie letzte Woche keinen Beitrag erhalten haben, möchte ich Ihnen heute einen kleinen Eindruck dieser nach dem Sturz des Diktators Nicolae Ceaușescu 1989 aufblühenden Stadt auf einigen Bildern wiedergeben.

Dom von Timisoara

Dom von Timisoara

Domorgel nach Zeichnung von Cavaillé-Coll

Domorgel nach einer Zeichnung von Cavaillé-Coll

Orgel der Pfarrkirche gebaut durch Weidemann

Orgel der Pfarrkirche, ebenfalls erbaut durch Wegenstein

Viele mächtige Gebäude des Jugendstils prägen das Zentrum der Stadt Timisoara.

Viele mächtige Gebäude des Jugendstils prägen das Zentrum der Stadt Timisoara.

Nun zur Klaviatur:

Im letzten Beitrag haben wir die Klaviaturtafel verleimt. Heute ist der Klaviaturrahmen an der Reihe.

Im zweiten Blog-Post habe ich die Art der Konstruktion für das Cembalomanual schon angedeutet. Die Cembaloklaviatur ist eine so genannte „Zweiarmige Klaviatur“. Das bedeutet, dass die Taste in der Mitte gelagert wird.

Klavierturrahmen

Klavierturrahmen von unten, das mittlere Brett ist der Waagebalken

Gleich einer Wippe wirkt die Kraft am hinteren Ende nach oben, wenn die Taste vorne gedrückt wird. Das Brett, auf dem die Tasten in der Mitte gelagert werden, nennt man Waagebalken.

Zunächst möchte ich erklären, warum ich Hartholz für den Rahmen verwendet habe.

Da unter der Klaviatur später nur der dünne Cembaloboden ist, muss die Klaviatur selbsttragend sein.

Das bedeutet: Sie muss so fest sein, dass die Klaviatur ohne eine Stütze von unten in der Mitte nicht durchhängt. Der Waagebalken muss also entsprechend stark dimensioniert werden.

Dabei muss berücksichtigt werden, dass der Waagebalken nicht nur die Tasten tragen muss, sondern auch der Kraftübertragung von bis zu 10 Fingern gleichzeitig standhalten soll, ohne spürbar nachzugeben.

Waagebalken von der Seite

Waagebalken von der Seite

Generell soll der Klaviaturrahmen flach sein und nur so dick wie nötig. Bei der Verwendung von Hartholz ist die Grenze wohl um die 14 mm und beim Waagebalken bei 20 mm.

Für einen Waagebalken aus Hartholz spricht neben der Statik auch der stabilere Sitz der Waagebalkenstifte, die in den Waagebalken genagelt werden. Diese führen die Tasten.

Da in den hinteren Querrahmen auch Führungsstifte eingeschlagen werden und die Tastenabstoppung dort befestigt wird habe ich diesen auch aus Hartholz gefertigt.

Der vordere Querrahmen ist sichtbar, wenn man schräg unter die Tasten schaut. Darum ist dieser ebenfalls aus dem Gehäuseholz Elsbeere gefertigt. Aus heutiger Sicht würde ich allerdings versuchen, so viel wie möglich auch im Klaviaturrahmen aus feinem Fichtenholz zu fertigen, um Gewicht und teures Material zu sparen.

Um den Klavierturstiften dem guten Halt von Hartholz zu geben, kann auch eine dünne Hartholzleiste in den Klavierturrahmen eingelassen werden, wo die Stifte dann eingeschlagen werden.

Ausgeklinkte Ecke im Rahmen

Detail des Klaviaturrahmens

Die Holzverbindung des Rahmens ist auf traditionelle Weise geschlitzt und gezapft. Aber gegen eine moderne Holzverbindung mit Dübeln spricht meiner Meinung nach auch nichts.

Auf dem Bild sieht man eine ausgeklinkte Ecke. Dort findet später die Registermechanik Platz, wenn die Klaviatur zum Transponieren einen Ton in den Bass bzw. in den Diskant verschoben wird.

Im nächsten Beitrag wird die Klaviaturtafel auf den Rahmen übertragen. Dabei gibt es mehrere Arbeitsschritte, die ohne Pause aufeinander folgen sollen.

7. Die Klaviatur – Ein Plädoyer für die Fichte

Heute werden wir in das Thema Klaviaturen einsteigen. Dazu einige Gedanken von mir, warum die Klaviatur so ein Schwerpunkt für Cembalobauer wie auch für Orgelbauer ist.

Die Klaviatur ist das Verbindungsstück zwischen Spieler und Instrument. Bei Nichttasteninstrumenten ist der Spieler direkt mit dem Instrument verbunden. Musizieren ist das Spielen auf einem Instrument, wobei der Spieler mit dem Instrument eine Einheit bildet. Wenn nun so eine notwendige Brücke – die Klaviatur – dazwischen sein muss, ist das höchste Ziel dabei, den Spieler mit dem Instrument zu verbinden. Auch die Orgel hat eine oder mehrere Klaviaturen. Der Trend zu rein mechanischen Instrumenten ist schon seit vielen Jahren wiedergekommen. „Rein mechanisch“ heißt, dass die Taste direkt über kleine Holzleisten mit dem Tonventil verbunden ist. Bei der mechanischen Traktur hat der Spieler direkten Einfluss, auf welche Art und Weise das Ventil geöffnet wird und damit, wie die Pfeife bei der ersten Ansprache mit Wind versorgt wird. Damit möchte der Organist wieder das System haben, dass schon vor einen halben Jahrtausend aktuell war.

Je intensiver ich mich mit diesem Thema beschäftigte, desto mehr musste ich eingestehen, dass der Cembalobau ein noch größeres Augenmerk auf die Feinheit und Ausgewogenheit und Anfühlbarkeit der Klaviatur legt, als es der Orgelbau tut. Eine Erklärung dafür habe ich nicht. Aber nach weiteren Beiträgen werden Sie mir Recht geben.

Zunächst soll es noch nicht um die Tastenbeläge gehen das, was man eigentlich immer sieht und bespielt, sondern um den Grundkörper, der die Kraft physisch überträgt. Den Grundkörper kann man bei einer eingebauten Klaviatur immer dann sehen, wenn man einen Ton spielt und dabei die Seitenflanke des Nachbartons betrachtet.

  1. Der Vergleich
  2. Warum Fichte? Ein kleiner Ausflug

1. Der Vergleich

Die Klaviatur wird traditionell aus Fichte hergestellt. Tradition ist gut, aber noch besser, wenn Sie sich erklärt. Also warum nicht Eiche? Eiche wird sehr viel im Orgelbau verwendet. Darum möchte ich als Orgelbauer dieses wertbeständige Holz mit der Fichte vergleichen.

Die folgenden Daten stammen von der informativen und liebevoll gestalteten Internetseite: „Holzwurm

Technische Holzdaten der Fichte
Rohdichte         Erklärung Raumgewicht : 0.43 g/ccm
Zugfestigkeit    Erklärung Zugfestigkeit : 80 – 90 N/mm²
Druckfestigkeit Erklärung Druckfestigkeit : 40 – 50 N/mm²
Biegefestigkeit Erklärung Biegefestigkeit : 65 – 77 N/mm²
Scherfestigkeit Erklärung Scherfestigkeit : 4 – 12 N/mm²

Technische Holzdaten der Eiche
Rohdichte         Erklärung Raumgewicht : 0,64 – 0,71 g/ccm
Zugfestigkeit    Erklärung Zugfestigkeit : 90 – 110 N/mm²
Druckfestigkeit Erklärung Druckfestigkeit : 52 – 64 N/mm²
Biegefestigkeit Erklärung Biegefestigkeit : 90 – 110 N/mm²
Scherfestigkeit Erklärung Scherfestigkeit : 12 N/mm²

2. Warum Fichte? Ein kleiner Ausflug

ausgewachsener Fichtenbaum

Ausgewachsener Fichtenbaum

Als Orgelbaumeister möchte ich Sie auf einen kleinen Ausflug in den Orgelbau mit nehmen. Die Eiche hat viele Vorteile, neben der Zähigkeit auch die Beständigkeit gegen Witterung,- Pilz- und Insektenbefall. Trotzdem hat sich Eiche bei keinem Tasteninstrument als Klaviaturholz durchgesetzt. Eiche neigt beim Trocknen zum Verwinden und ist ein sehr schweres Holz. Hingegen trocknet Fichte schnell und hat nur eine geringe Tendenz, sich dabei zu verziehen. Fichte hat trotz seines geringen Gewichtes auch gute Werte in der Festigkeit.

Deshalb benutzt der Orgelbau dieses Holz für Abstrakten. Abstrakten sind die dünnen Holzleisten in der Orgel, die die mechanische Verbindung zwischen Taste und Ventil zur Pfeife sind. Diese haben  teilweise nur einen Querschnitt von o,8 x 6 mm. Das entspricht 4,8 mm². Es könnten also rund 40 kg an solch einem dünnen Fichtenstreifen hängen und das obwohl Fichte ein so weiches und leichtes Holz ist.
Im Cembalobau wurde auch Pappel und Linde für die Herstellung von Klaviaturen verwendet; aber ich habe mich hier für die traditionelle Fichte entschieden.

Im nächsten Beitrag möchte ich Ihnen erklären, wie unterschiedlich das Holz bei einer Feuchtigkeitsänderung arbeitet und wie wichtig es ist, hier auf die richtige Holzrichtung zu achten. Außerdem werden wir mit der praktischen Herstellung beginnen.